Als Papa von zwei herzigen Mädchen habe ich immer wieder gutgemeinte Warnungen bekommen, dass wenn die Mädchen zu jungen Frauen werden, ich alle Hände voll zu tun hätte mit jungen Männern abwehren. Ich habe dann zwar so markige Sätze abgesondert wie: «Dem ersten, der auf der Matte steht und nach meiner Tochter fragt, breche ich einen Arm.» Aber innerlich habe ich gewusst, dass ich keinen jungen Kerl daran hindern würde, das Herz einer meiner Töchter zu erobern.
Trotzdem habe ich mich in der Vorstellung gesonnt, dass da in der Türe ein pickliger Teenager stehen könnte, schlaksig, unsicher, eben erst dem Stimmbruch entronnen mit flaumigem Kleingärtnerbartwuchs und zu viel Deo unter den Achseln, der meine Tochter abholen will. Ich hätte ihn zur Seite genommen und ihm gesagt: «Alles, was du mit ihr machst, mache ich nachher mit dir.» Natürlich habe ich das nie getan, meine Töchter (fast 15 und 18 Jahre alt) hätten mir wohl zu Recht die Verwandtschaft aufgekündigt.
Im richtigen Leben sieht das ganz anders aus: Da kommt ein Mensch, der deine Tochter glücklich macht und mehr kannst du als Vater gar nicht wollen; auch wenn du gerade in der Rangliste ihrer Lieblingsmenschen einen Platz nach hinten gerutscht bist. Vielleicht bricht sie ihm eines Tages das Herz oder er bricht ihres, aber bis dahin freust du dich, dass alle glücklich sind.

Du wunderst dich nicht über verschlossene Türen in der Wohnung und wartest halt mal ein halbes Stündchen, bis das Badezimmer wieder frei ist. Wenn du heimkommst klingelst du an der eigenen Haustüre, weil ja ganzjährig Brunftzeit herrscht und du niemanden überraschen willst. Nur dass ich regelmässig ermahnt werde, dass ich am Morgen schicklich gekleidet aus dem Schlafzimmer kommen soll, finde ich anstrengend. Ich überlege mir, mal nur im Mankini und mit einer Nasenflöte an den Frühstückstisch zu treten.

Wieauchimmer – mit seinen 35 Jahren ist Federer eine echte Inspiration für uns welkende Männer. Wer da noch in der Weltspitze dabei ist, spielt sonst eher Golf oder Schach und nicht Tennis. Eigentlich hätte er sich längst aus dem Spitzensport zurückziehen und im Golfklub Margeritas schlürfen können, um dann ein paar Jahre später als Teilnehmer im Dschungelcamp ein letztes Mal an die mediale Oberfläche gespült zu werden, so wie das Martina Navratilova gemacht hat, die andere grosse Dame des Weissen Sports. Vielleicht hat ihm aber einfach noch keiner gesagt, dass er zu alt ist für den Spitzensport. Das ist gut so, denn sonst hätte er nicht den 18. Grand-Slam-Titel geholt. A propos 18: Vor zwei Wochen haben wir in der Familie gefeiert: Ich bin jetzt Vater einer erwachsenen Tochter. Das war mein persönlicher Grand Slam.