Quartierräucherung

Ein Hoch auf Annelie und ihre Omega-Lage. Wir werden im eigenen Saft gekocht und es ist grossartig! Habe ich eigentlich schon mal in einem Nebensatz erwähnt, dass wir in einer Dachwohnung leben? Am Wochenende war es so heiss, die Dachziegel standen kurz vor den Schmelzpunkt. Meine Töchter behaupten, sie hätten oben beim Dachfenster zwei Hobbits gesehen, die einen Ring hereingeworfen hätten. Wieauchimmer – wir sind dann zum grillieren in den kühleren Garten gegangen. Dort hat sich die Sorte Erinnerungen eingestellt, die man gerne verdrängt. Zum Beispiel dass die Wiese je nach Standort den widerlichen Geruch von Katzenkot ausdünstet, den man kaum mehr aus der Nase bringt. Oder die Junikäfer, die keine Ahnung vom Kalender haben und einem sinnlos in die Frisur oder Kleider fliegen. Und das sind noch die angenehmsten Insekten, im Gegensatz zu dem Mückengesocks. Das verhasste Ungeziefer hat sich erst vom Acker gemacht, als ich den Grill eingeheizt habe. Boah, so viel Rauch! Sorry, liebe Nachbarn. Und nein, wir haben im Quartier keinen Papst gewählt.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 8. Juli 2015

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s