Selfie-Stick

Okay ich gebs zu: Ich bin Besitzer eines Selfie-Sticks. Das Ding wurde mir quasi nachgeworfen für zwei Pfund fünfzig bei einem pakistanischen Strassenhändler in London. Meine Töchter haben mich erst ausgelacht und dann verachtet, weil ich dann mit dem Ding rumgefuchtelt und zilionen sinnloser Fotos geschossen habe, die niemand jemals anschauen wird. Blöd war es erst, als das Telefon klingelte. Das Gerät ausspannen und den Stecker abziehen würde viel zu lange dauern. Also Stock umdrehen und Gespräch annehmen. Das sieht dann etwa so aus, als horche man an einem Golfschläger. Der Anblick ist das pure Gegenteil von Coolness. Man steht da und ist sich voll bewusst, was für ein erbärmliches Schauspiel man abgibt. Erschütternd, erniedrigend und einfach nur peinlich. Vermutlich gibt es Bilder von mir, die als abschreckendes Beispiel für Selfie-Süchtige therapeutisch verwendet werden. Meine Frau und meine Töchter haben die Strassenseite gewechselt. Ich kanns ihnen nicht verdenken.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 24. Juni 2015

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