Lustfeind Nummer eins

Neulich war ich an einem Rockabilly-Konzert in der Frauenbadi: Lauschiger Abend, tolles Publikum, gepflegtes Bier, Maikäfer, die Limmat, Sonnenuntergang – der Abend hätte perfekt sein können, wäre nicht der Geschäftsführer eine halbe Stunde nach Beginn vor die Band getreten und hätte verkündet, dass eine Lärmklage eingetrudelt sei. Die Band dürfe nur noch ganz leise spielen. Ich war nicht der einzige, der gelacht hat. Die Band hat schon vor dem Intermezzo so leise gespielt, dass man sich vor der Bühne locker unterhalten konnte. Die Identität des Anwohners wurde nicht preisgegeben, damit dieser nicht geteert und gefedert werde., nur so viel: Er sei rechts der Limmat zuhause.

Anwohner – die elfte Plage! Übler als Ungeziefer, Seuchen und Finsternis. Anwohner sind grundsätzlich lustfeindlich, engstirnig und verbiestert. Ich stelle mir das Exemplar, das meinen Abend zu ruinieren versuchte, so vor: Jahrelanges Schattendasein in der Agglomeration, die Scheidung endlich abbezahlt und jetzt nachholen, was in den «besten Jahren» verpasst wurde: Wohnen im Niederdorf, da wo das Leben sprudelt. Aber wenn der Rock’n’Roll ungefragt bei ihm ans Fenster klopft, sofort die Polizei rufen.

Anwohner verhindern Fussballstadien, Konzerte, Skaterparks, Gartenbeizen und Kinderspielplätze. Eigentlich müsste «Anwohner» ein Schimpfwort sein, das eine Ehrverletzungsklage mehr als rechtfertigt. Bevor das so weit ist, fordere ich die Abschaffung aller Anwohner.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 28. Mai 2014

Das war übrigens die einzige Kolumne, die zu einer Reaktion geführt hat.
H.K.M. aus Meilen fühlte sich veranlasst, mir folgendes Schreiben zuzustellen:
(Der Mann hätte dringend einen Fi.. Knuddel gebraucht)

k00001-fanpost02

«Herr von Messikommer» ist falsch. Unser Geschlecht ist von Mesikon, nach dem Weiler im Zürcher Oberland, der zu Ilnau-Effretikon gehört. Unsere Familie stellte zwei Vögte auf der Kyburg. Sie stehen in der Reihe grosser Zürcher wie  Johann Heinrich Waser, Heinrich Escher oder Hans Rudolf Lavater. Also knie nieder, Meilemer Bauer!

Und dann der Satz: «Vielleicht hätte man dort, wo Sie herkommen…» Was bitte ist schlecht am Kreis 6, Meilemer Landei?

Aber dass er meine Frau und Töchter ins Spiel bringt zeugt nur von schlechtem Stil.
Das mit dem Auflösen … da wird er sich hoffentlich noch etwas gedulden müssen.

Mister. Nicht zu verwechseln mit dem Melker. (Dad-Jokes sind meine Domäne)

k00001-fanpost01

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