Tschau Wäschpi

Eine Ära ist zu Ende. Meine Frau Gemahlin und ich haben unser treues Schlachtross, ein Juwel italienischer Zweiradbaukunst, ein motorisiertes Lifestyle-Objekt, das Symbol südländischer Lebensfreude schlechthin *seufz* verkauft.
Ja, ich sage das mit hängenden Schultern und gesenktem Haupt. Als vor ein paar Tagen der strassenverkehrsamtliche Vorführ-Befehl ins Haus flatterte, war das Schicksal unserer 82er Vespa besiegelt. Noch während wir uns fragten, ob wir nochmal ein paar Hunderter ins Wäschpi stopfen oder verkaufen sollten, nahm uns das Schicksal die Entscheidung ab und schickte einen jungen Bastler, der sich spontan in die kleine Zweitakt-Dreckschleuder verknallt und das nötige Geld hatte.
Jetzt ist sie weg. Sie war eine Diva: Nur bei schönem Wetter und milden Temperaturen sprang sie sofort an. Vielleicht war sie aber auch so zickig, weil sie in den Wintermonaten nie ausgeführt wurde? Oder war sie so schrullig, weil sie nie ihrer wahren Bestimmung zugeführt wurde – die Italiener sind sich sogar heute noch nicht einig, ob die Vespa dazu da ist, zum Frauen auf- oder ihnen die Handtaschen wegzureissen.
Egal, ich vermisse sie.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 14. September 2016

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