Why Nacht S N

Jetzt ist wieder Hochsaison für Weihnachtsessen, dem grössten Quell von innerbetrieblichen Peinlichkeiten. Schon am Nachmittag dröhnen die Föhne aus der Damentoilette und jeder Spiegel ist besetzt. Da wird mit dem Lammfellroller Make-Up aufgetragen, Frisuren werden aufgetürmt und Farbtöpfe geleert. Die Geruchsemissionen ähneln einem drittklassigen Bordell. Die Männer reduzieren das Vorspiel auf Frisur richten und Rasierwasser nachschütten, schliesslich hat man sich schon am Morgen anständig angezogen. Der «geheime Ort» an dem die Fete steigt, entpuppt sich entweder als Waldhütte, Trendlokal oder Zunftstube. Beim Apéro werden Kleider und Auftritte kommentiert, als ob man die Leute zum ersten Mal sähe. Nach dem Run an die Tische – niemand will beim Kader sitzen – hat jeder das Gefühl, am anderen Tisch wäre es noch lustiger. Der Catering-Service ist verstärkt mit überforderten Wiedereinsteigern, die den einen alle 30 Sekunden nachschenken wollen, während andere verdursten. Spätestens nach Dessert und Digestif tut der Alkohol seine Wirkung: Irgendeine niedrige Charge traut sich endlich mal der Chefetage die Meinung zu sagen. Yes! Man wird noch Monate von dieser Szene reden. Dann wird die Musik lauter und die Tänzer dürfen sich profilieren. Stunden später folgt das grosse Abschleppen. Wer mit wem verschwunden ist, wird die Gerüchteküche bis in den Februar nähren. Ich freu mich jetzt schon.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 11. Dezember 2013

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