Was von 2014 übrig bleibt

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas Launiges über zwei alternde Egomanen schreiben, die vor laufenden Kameras aneinander vorbeireden. Das haben aber andere schon zur Genüge getan, weshalb ich mich der Vergangenheitsbewältigung widme. Was hat uns 2014 denn sonst noch so gebracht neben Winterolympiade, Fussball-WM, Ebola und Ecopop? Einen vierschrötigen Hafenkran, der das Altstadtbild mindestens so nachhaltig aufwertet wie das Globus-Provisorium. Einen Sechseläutenplatz an der Stelle, an der vorher ein sumpfiges Hundeklo mit Zirkus war. Die gesellschaftlichen Highlights waren aber die Nackt-Selfies aus den Amtshäusern. Die Appetitlicheren stammten von einer welschen Sekretärin, die heute nicht mehr im Berner Bundeshaus arbeitet. Die Anderen kamen aus dem Badener Stadthaus, waren die Sommerstory schlechthin und wurden unter dem Hashtag (s. vorherige Kolumne) #Gerigate medial abgefeiert. An diesem Beispiel zeigt sich exemplarisch, wie massvoll die Presse mit Superlativen umgeht. Wenn etwas unendlich peinlich ist, wird daraus ein –gate. Aber höchstens einmal im Jahr! 2013 war es #Täschligate, und weil dieses Jahr schon mit #Gerigate besetzt ist, wird es kein #Schawigate geben. Damit schliesst sich der Kreis. Ich werde jetzt mit einer Träne im Knopfloch zu Udo Jürgens‘ «Merry Christmas Allerseits» den Baum schmücken und eine Woche später auf Sie und das neue Jahr anstossen. Frohe Festtage!

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 24. Dezember 2014

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