Tsüri Fäscht isch s‘Bescht

Drei Tage feierte Zürich sich selber und es war eine Wucht. Gut, ein paar Abstriche muss ich im Nachhinein machen. Da wäre mal das kotzende Kind auf dem Kettenkarussell, das Halbverdautes in einem kreisförmigen Schwall über die dichtgedrängten Festbesucher erbrach. Ein anderer Tiefflieger spie Fallschirmspringer aus. Die versuchten auf dem Ponton vor der Quaibrücke zu landen. Der tosende Applaus, wenn ein Springer im See landete, war unfair. Die Brücke war das Epizentrum des Festes. Schon früh herrschte dort ziemliches Gedränge. Ich schätze ja intime Kontakte, aber schwitzende Männer, die sich an mich drängen, gehören definitiv nicht zu den Highlights des Festes. Aber sonst war’s toll. Vom anderen Brückengeländer sah man so viel Schwimmzeug in der Limmat, dass man den Fluss trockenen Fusses hätte überqueren können. Das Beste waren aber die Feuerwerke mit den lustigen Diskussionen, was das ganze kostet, welchen afrikanischen Zwergstaat man mit dem Geld sanieren könnte oder wie lange man dafür hätte Ferien machen können. Ging mir am Ellenbogen vorbei. Mir hat’s gefallen. Der Heimweg durch das Oberdorf war dann eine olfaktorische und sportliche Herausforderung: Urin und Erbrochenes, wie auch Scherben und Dreck machten die Gasse zu einem gigantischen Hindernisparcours. Nicht gerade eine Attraktion aber hey – wer eine Party für zwei Millionen Leute schmeisst, nimmt Kollateralschäden in Kauf.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 10. Juli 2013

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