Happy Camper

Wenn das Gespräch auf Camping kommt, verstumme ich. Ja, ich bin ein gebranntes Kind. Meine besten Camping-Erinnerungen gehen auf die Pfadizeit zurück. Danach war alles irgendwie uncool. Die Geschichte von meiner Lungenentzündung im gefluteten Zelt im Tessin bietet mir immer wieder einen eleganten Ausstieg aus der Diskussion, wenn ich das Gespräch auf das bisweilen garstige Wetter im Südkanton lenken kann. Wenn nicht, muss ich all die Geschichten von Schnarchern, Frühaufstehern, Paarungsfreudigen, Betrunkenen etc. auftischen. Zum Beispiel die von den Kerlen mit den primitiven Hackfressen, die nachts um halb drei vor meinem Zelt bei einem Töff den Vergaser einstellen mussten. Der Auspuff war natürlich auf mein Zelt gerichtet. Überhaupt: Dieses ständige Suchen nach Sachen, die im Rucksack, zwischen Innen- und Aussenzelt oder unter dem Schlafsack versteckt sind. Siffige Sanitär-Anlagen, Schlange stehen zum Duschen, Wurzeln unter dem Zeltboden und dann die ganzen Sachen, die man nicht dabei hat. Nein. Ich glaube an Komfort. Marmor, Polster, Quadrophonie? Her damit. Frühstück aufs Zimmer? Ja doch. Balkon mit Meersicht? Aber immer. Es gibt keinen Luxus, den ich nicht in Kauf zu nehmen bereit bin. Nur für meine Töchter tut es mir leid, weil sie viel zu selten die Freuden eines aktiven Outdoor-Lifestyles erleben durften. Wenigstens mussten sie nie zuschauen, wie Papa das Lagerfeuer auspinkelt.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 24. Juli 2013

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