Todesdrohungen

Neulich war ich wieder am Geldautomaten und wurde von meiner Bank mit Gebühren belastet, weil ich Kohle aus einem Konkurrenzgerät gezogen habe. Was soll das? Muss ich Lösegeld zahlen um mein eigenes Geld freizukaufen? Ist doch frech sowas! Einen kleinen Teil der Barschaft habe ich am Kiosk ausgegeben, und dort schon der nächste Aufreger: Die verunstalteten Zigi-Päckli. Warum werden nur Raucher mit Todesanzeigen und hässlichen Bildern auf der Verpackung bestraft und nicht Trinker und Raser? Wie schick sähe das aus, wenn Jede Alk-Flasche zu drei Fünfteln mit Todesdrohungen und abschreckenden Bildern vollgepflastert wäre? Oder jedes Auto, inklusive die sauteuren SUVs, auch gerne Züriberg-Traktor genannt, mit einem Grossbild von einem Horrorunfall auf der Motorhaube und auf den Türen mit einer grossflächige Warnung daherkämen wie: «Autofahren kann Sie und Andere das Leben kosten»? Gibt’s nicht. Aber auf den Rauchern wird rumgehackt. Zigis werden teurer, während Benzinpreise stagnieren und die Alkoholpreise sinken. Warum die Raucher? Haben Sie schon mal gehört, dass einer im Nikotinrausch seine Ehefrau spitalreif geprügelt hat? Eben. Wenn schon gutgemeinte Warnhinweise, dann bitte überall. Aber was verlange ich von Politikern, wenn Entscheide von viel grösserer Tragweite anstehen, und die öffentliche Diskussion sich um so wichtige Dinge wie Apfelbäume auf Plakaten dreht.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 22. Januar 2014

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