So tschillig

Morgen beginnt Sotschi 2014. Putin hat ja schon im Vorfeld der Winterspiele für gute Laune gesorgt und alle inhaftierten Oligarchen in ihre schweizerische Heimat geschickt. Auch Pussy Riot dürfen wieder öffentlich lästern. Nur eines hat Wladimir Wladimirowitsch vergessen: Das Gesetz «gegen die Propaganda von Homosexualität» zu lockern. Dabei trägt ausgerechnet das russische Olympia-Team Outfits in Regenbogenfarben. Im selben Zusammenhang interessiert die erotischste Sportart überhaupt: Doppelsitzer Rodeln, Männer. Da liegen zwei Kerle in hautengen Anzügen aufeinander und donnern auf einem Schlitten den Eiskanal hinunter. Beide tragen Helme mit Gesichtsmaske. Ein Bild, das sich dem Aussenstehenden präsentiert wie die kleinste Lack-und-Latex-Fetisch-Parade der Welt. Man kann auch als Laie wahlweise die Stimmung im Team oder die Temperatur am Vordermann ablesen. Werden die alle im Ziel verhaftet? Was machen Putins Sittenwächter in den Nordischen Disziplinen, wo dutzende von Bi-Athleten unterwegs sind? Wird der Eiskunstlauf-Wettbewerb der Männer überhaupt stattfinden? Fragen über Fragen. Hatte Max Frisch einen Putin vor Augen, als er sein visionäres Prosawerk «Homo Phober» schrieb? Abgesehen davon sind die wahren Highlights die Auftritte der Zweierbob-Supermacht Jamaica und der von Slalom-Geigerin Vanessa Mae. Dabei sein ist alles.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 5. Februar 2014

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