Taminamal (extended Version)

Im Schatten von Währungshysterie und Je suis Charlie hat der Grasshoppers Club fast unbemerkt seinen Trainer ausgetauscht. Michael Skibbe musste in Niederhasli wegen mangelnden Erfolges seinen Spind räumen. Wie unmenschlich ist der Fussball geworden, wenn jetzt schon von Trainern verlangt wird, dass sie Erfolg haben? Skibbe hat bereits ein neues Engagement in der Türkei. Ein kluger Entscheid, ein Land zu wählen, das sein Salär nicht in Euro bezahlt. In der Gerüchteküche um seine Nachfolge bei GC wurde auch der Name Christian Gross gehandelt, doch so verzweifelt sind die Hoppers noch nicht. Als Medienfuzzi bin ich aber milde enttäuscht, dass GC es nicht geschafft hat, für die Trainernachfolge eine Casting-Show auf die Beine zu stellen. Verpasste Chance. Neu am Drücker ist jetzt der ehemalige U21-Nati-Trainer Pierluigi Tami. Sein Familienname ist natürlich eine Einladung für die Kreativen der FCZ-Südkurve, fürs nächste Derby lustige Wortspiele zu schaffen. Übrigens, das Gerücht hält sich hartnäckig, dass Tami erst zugesagt habe, als ihm ein hoher sechsstelliger Frankenbetrag und nach der Rückrunde eine neue Identität und ein schnelles Fluchtfahrzeug versprochen wurde. Das Benzin für so ein Auto kann man sich jetzt auch wieder leisten. Die Preise an der Tankstelle sind von Armani-Niveau zurück auf H&M-Level. Dafür steht man neuerdings beim Bancomat an. Aber das ist eine andere Geschichte.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 21. Januar 2015

 

Nicht verwendetes Textfragment:
In der Schweiz zu leben ist so grossartig, dass wir Probleme erfinden müssen, über die wir uns dann aufregen können. Neulich hat ein Mitreisender im gut besetzten Tram lautstark eine ganze Kaskade von Problemen heruntergeleiert. «Ey, Mann, ich also zum Bancomat und da ish en Mega-Schlange xi. Sicher sächs oder siebe Lüüts.» Er hat sich wohl in der planwirtschaftlichen Sowjetunion gewähnt, wo es einmal im Monat beim Bäcker Mehl gegeben hat und Menschen hunderte von Metern angestanden sind. «Und als ershts mues ich ams Maschine de Spraach wähle. Ey, Mann, mir sind ims Züri, Taminamal, werum mues ich das mache?»

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