Stunden im Hotel

Ich bin gerade zurück aus den USA und habe auf dem kurzen Trip in drei verschiedenen Hotels residiert. Der Amerikaner schläft offenbar gerne fürstlich: Die Betten waren so gross, dass man denken muss, die stellen erst das Bett hin und bauen dann das Haus drumrum. Nur – wozu brauche ich neun Kissen? Legt man die auf den Boden, falls man trotz der üppigen Dimensionen der Liegestatt rausfallen könnte? Das Bad war ebenfalls first Class, aber als ich das Wasser aufgedreht habe, hat es in der Wand gerumpelt, als ob ein Brontosaurier im Keller wohnt. Die Dusche machte Geräusche, wie die untergehende Titanic. Viel Wasser kam aber bei keiner raus. Die einen tröpfeln so schwach, dass man glaubt, man werde das Shampoo nie wieder los, die andern sind so verkalkt, dass sie das Wasser in alle Richtungen streuen. Im letzten Hotel hat auch noch die Klimaanlage gesurrt wie ein startendes Kleinflugzeug. Aber sonst wars toll. Ich gehe gerne auf Reisen, komme aber auch gerne wieder nach Hause zu Kippfenstern, gemütlichen Betten und funktionierenden sanitären Anlagen.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 25. Mai 2016

(Okay, nicht meine beste Kolumne. Ich war übernächtigt und unter Druck.)

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