Stimmt nicht für mich

Ja, ich bin meiner Bürgerpflicht nachgekommen und habe gewählt. Aber es hat sich nicht wie sonst angefühlt. Niemand hat um meine Stimme gebuhlt, keiner hat mich mit unhaltbaren Versprechen umworben. Der Urnengang war nicht mein persönlicher Ritterschlag für die Partei meines Vertrauens, sondern eher eine lästige Pflicht; vergleichbar mit dem Obligatorischen schiessen oder im Regen mit dem Hund raus. Im Vorfeld gab es keine Skandälchen, kaum Gehässigkeiten und deutlich weniger Plakate. Wenigstens auf Facebook haben die Parteien für unfreiwillige Komik gesorgt. Die SP hat vor zwei Wochen ein Osterchörbli gepostet mit Bildern ihrer Kandidaten als Eier. So viel Ehrlichkeit erwartet man nicht von einer politischen Partei. Auch die FDP hat für eine Schmonzette gesorgt mit ihrem alkoholträchtigen Slogan «Meh blau für Züri». Sssupr Botschaft – Hicks! Dazu passend die Spitzenkandidatin mit dem Namen einer weltbekannten Whiskymarke. Nein, Carmen Walker Späh ist nicht mit Johnny Walker verwandt oder verschwägert. Wiedemauchsei – mit ihr zieht eine beeindruckende Frisur in den Regierungsrat ein. Und gegen die lausige Wahlbeteiligung fordere ich eine Castingshow auf TeleZüri. Ich sässe vor der Mattscheibe, wenn Markus Gilli fragt «Wer wird Rat?» oder in mondänem Englisch «Who wants to be a Rat?»

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 15. April 2015

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