Neues Hufeisen

Super erholt von den Ferien nach Hause gekommen. Sommer pur auf den Balearen, geschnorchelt, gefaulenzt, gegessen, gevolleyballt… bis es im Sprunggelenk ratsch gemacht hat, und mir die Achillessehne unmissverständlich zu verstehen gegeben hat, dass es nun reicht mit dem Sport. (Ich verkneife mir an dieser Stelle das Churchill-Zitat.) So ein Eispaket am Fussgelenk ist jedenfalls recht unelegant, und natürlich habe ich damit Spott geerntet: «Das Teil wertet deine durchgelatschten Turnschuhe auf», oder «brauchst du ein neues Hufeisen?». Auch ein Dauerbrenner: «Gehen wir noch auf einen Sprung raus?». Dank einer befreundeten Physiotherapeutin, war ich schon nach wenigen Tagen wieder mehr oder weniger gut zu Fuss. Nur Treppensteigen ist immer noch mühsam. Zum Glück wohne ich im vierten Stock ohne Lift. Weitere Erkenntnis: Ein Arztbesuch ist etwa gleich persönlich wie die Bestellung einer Betreibungsauskunft. Formulare ohne Ende, dann drei Augenblicke Audienz beim Halbgott in Weiss, um danach mit einem Wust von Verordnungen, Rezepten und Medikamenten aus der Praxis geschoben zu werden. Nein, medizinisches Marihuana war nicht dabei. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich für den Arzt nur ein Hindernis auf dem Weg zum Golfplatz war. Trotzdem fühle ich mich schon viel besser. Ich würde zwar heute keine Dopingkontrolle bestehen, aber die chemische Industrie muss schliesslich auch von irgendwas leben.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 29. Oktober 2014

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