Homo Grillensis

Ich bin ja auch nicht der Pünktlichste, aber was sich der Frühling dieses Jahr geleistet hat… Normalerweise habe ich Mitte April schon mindestens drei Kilo Winterspeck weg. Dieses Jahr sind noch drei Kilo erotische Schwungmasse extra dazugekommen. Wieauchimmer – der Frühling ist da. Und während andere noch wie bekifft in die Sonne starrten, habe ich mit unendlicher Genugtuung die Grillsaison eröffnet. Ja, Ladies and Gents, dieses archaische Ding, das an die Zeit gemahnt, als es noch keine Glaskeramikherde und Mikrowellen gab. Im Gegensatz zum heimischen Herd ist der Grill Männersache. Nachprüfbar bei jeder Scheidung: Sie kriegt das Haus und die Kinder, er das Sorgerecht für den Grill. Für uns Kerle ist grillieren vom Lebensgefühl her vergleichbar mit Stehpinkeln oder Baumarkt stöbern. Irgendwo versteckt im Stammhirn wird der Homo Erectus im Manne wach: Feuer! Fleisch! Essen! Grunz! Das Urmensch-Feeling gilt übrigens nur für den Holzkohlen-Grill. Gas-oder Elektrogrille mögen auch Brateigenschaften haben, aber eigentlich kann das auch jeder Backofen. Leider ist grillieren im urbanen Umfeld auch mit Schuldgefühlen verbunden, wenn man die ganze Nachbarschaft zu passiv-Grilleuren macht. War mir aber egal. Und ja, es hat geschmeckt. Und nein, ich hab’s nicht auf Facebook gepostet.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 17. April 2013

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