Hafenkrankheit

Ich habe mir am Wochenende den Kran gegeben. Eigentlich finde ich die Idee hinter «Zürich Transit Maritim» recht schrullig von wegen fiktiver Hafenstadt und so; fast britisch-humorig. Schon deshalb bin ich pro Hafenkran. Jetzt steht er also da, und ich muss sagen, Mann oh Mann ist das Ding hässlich! Der ist so vierschrötig, den hätte nicht einmal die eigene Mutter gerne. Wie die Faust aufs Auge. Kein Wunder, wollten die in Rostock das Teil nicht mehr. Von der Ostsee-Hansestadt ist wohl nur noch das «ock» übrig. Der «Rost» steht jetzt am Limmatquai. Und das ist gut so. Im Gegensatz zum Globus-Provisorium verschandelt er die Innenstadt ja nur für kurze Dauer. Neben der Monstrosität aus rostendem Eisen sieht die Altstadt rechts der Limmat gleich nochmal eine Klasse besser aus. Ausserdem regt das Teil die Fantasie an. Der beknackte Teenager, der irgendwo in mir begraben ist, würde, sobald die Limmat wärmer ist, ein Seil durch den Haken schiessen und dann eine Nacht lang den Tarzan geben, bis besorgte Mitbürger die Feuerwehr holen. Ja, ich hab ihn schon ins Herz geschlossen. Klar, käme er besser zur Geltung, wenn wir in der Stadt nicht schon gefühlte zehntausend Baukräne hätten. Aber hey – man kann nicht alles haben. Heimlich hoffe ich auf eine weiter Attraktion zwischen Gemüse- und Rudolf-Brun-Brücke. Wie wär’s mit der Costa Concordia?

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 30. April 2014

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