Food Photography

Der einzige sinnliche Genuss, den man von Geburt bis Tod haben kann, ist essen. Wenn ein duftendes Mahl bereitet ist, die Sinne geweckt sind und einem das Wasser im Mund zusammenläuft, gibt es nur noch wenig, das einen hindern kann, genüsslich loszuschlemmen: Das sind A) ungewaschene Hände und je nach Gottesfurcht B) ungesprochene Gebete. Danach darf es losgehen mit dem fröhlichen Schlemmen… Denkste! Erst noch der Fototermin. Wann hat denn der Blödsinn angefangen? Jeder Teller, der nur schon minimal präsentabler daherkommt als ein Hundefressnapf, muss fotografiert werden, nach dem Motto «Vor em Ässe, Facebook nöd vergässe!» Schauen Sie sich um! Überall Food Fotografen. Wenn jemand auf meinem Facebook-Feed einen ungegessenen Teller postet, entfreunde ich den. Bisher habe ich nur eine Ausnahme gemacht: Ein besserverdienender Kumpel hat bei Caminada gespiesen, und sein Dessert auf einem iPad serviert bekommen, auf dessen Bildschirm gerade ein Feuerwerk abbrennt. Vor so viel Dekadenz verneige ich mich. Allerdings hat der Freund die Frage unbeantwortet gelassen, ob der iPad auch spülmaschinenfest ist. Wie auch immer – Steve Jobs hat unser Leben nicht gerade einfacher gemacht.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 2. September 2015

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