Big Brother und die Nati

Die ganze Welt empört sich, dass der US-Geheimdienst jede Google-Anfrage, jede Suche im App-Store und jeden Eintrag auf Facebook mitliest. Mich amüsiert der Gedanke, dass irgendwo in einem Bunker im amerikanischen Hinterland ein pickliger Nachwuchs-Agent für seinen Broterwerb Millionen von Katzenbildern anschauen muss. Immerhin lesen die meine Einträge, was man von den eigenen Facebook-Freunden nicht erwarten darf. Am vergangenen Wochenende ist unser Jung-Geheimdienstler beim Durchforsten der Internetze neben Miss Schweiz, Hunziker-Verlobung, Gay Pride und Hooligan-Konkordat sicher auch auf den grenzenlosen Jubel gestossen, den unsere Fussball-Nationalmannschaft mit dem Sieg gegen Angstgegner Zypern ausgelöst hat. Unsere Nati hat sich wuchtig zurückgemeldet mit einem atemberaubenden, traumtänzerischen, nie gefährdeten Sieg über die Fussballmacht aus dem Mittelmeer. Ricola gegen Halloumi: Es gab unglaublich viele Chancen, diese drittklassige Mannschaft zu schlagen, aber Zypern hat es nicht geschafft. Traumtor in der letzten Minute. In so einem Moment bedaure ich, dass statt des gesperrten Hitzfeld nicht Trapattoni die Nati trainiert: «Was erlaube Inler?» Als Fernbedienungs-Taktiker bin ich natürlich auch für die Volkswahl der Fussball-Nati. Aber wenn das so weiter geht, versauen sich Gökhan & Co noch die Chance, Ferien zu machen, wenn andere zur WM müssen. Ich habe fertig.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 12. Juni 2013

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