Bierselig

Man soll ja nie aufhören, sich weiterzubilden. Also habe ich ein Erwachsenenbildungsseminar gebucht. Bei einer kleinen Bio-Brauerei am linken Züriseeufer. Hey, es schadet nie, etwas über sein Lieblingsgetränk zu lernen. Zu zehnt, alles Kolleginnen und Kollegen aus der Firma, haben wir unseren Horizont über Brau-Technik und -Geschichte (oberflächlich) und die sechs verfügbaren Biersorten (vertieft) erweitert. Der Referent, ein militant fröhlicher Brauersmann, hat uns alles gepaukt, was wir wissen sollten: Von den Ägyptern und den Bieramiden bis in die Gegenwart mit Hipstern und Hopfen. Mit zunehmender Dauer liess die Konzentration nach, was dazu führte, dass ich beim Flaschenabfüllen mit Bier geduscht wurde. Zu dem Zeitpunkt war ich schon immun gegen den würzigen Geruch. Erst bei der Heimfahrt im Zug und dann im Tram ist mir aufgefallen, dass sich niemand neben mich setzen mochte. Auf der letzten Etappe, im 10er Tram standen die Leute lieber, als mir nahe zu kommen. Lag es an meinen Ausdünstungen, meinem selig-glasigen Blick oder an der Bügelflasche in meiner Hand? Ich sollte den Trick vielleicht mal in der morgendlichen Stosszeit ausprobieren.

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 30. September 2015

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