Apple und ein Ei

Am Samstag bin ich an der Warteschlange vor dem Apple Store vorbeigekommen. Diese Firma schafft es tatsächlich schon wieder, dass mir mein Handy, das bisher immer treu und supi seinen Dienst geleistet hat, vom einen Tag auf den anderen überholt, wertlos und zwei Generationen veraltet vorkommt. Ich spürte einen schalen Groll in mir aufsteigen. Wenn ich so richtig in der Kohle schwimmen würde, ich hätte hundert junge Leute fürstlich dafür bezahlt, dass sie die vordersten wären, die am Erstverkaufstag in der Schlange stünden. Einzige Bedingung: Sie dürfen keines der neuen Geräte kaufen. Nur so Chichi wie eine Hülle für ein altes Modell, Kopfhörer, Kabel, so Zeug halt. Wenn dann um acht der Laden aufgeht und all die Reporter mit Kameras, Flut- und Blitzlicht auf den ersten Irren warten, der die Nacht vor dem Laden campiert hat, um ein neues Gerät zu erstehen, vergeht eine Stunde oder mehr, in der nur Studis mit normalen Einkäufen den Laden verlassen. Dann denkt der Journi vielleicht auch mal, dass er mit seiner Zeit Besseres anfangen könnte, als eine überbewertete Firma promoten. Wieso kommt die Präsentation neuer Handys in den Hauptnachrichten? Muss denn Jeder wissen, dass das neue Gerät einen Viertelmillimeter flacher geworden ist? Die, die das wirklich interessiert, hätten es sowieso erfahren. Das ist doch Treppenhausgeschwätz. Was ist das Nächste? Breaking News, wenn Barbie ein neues Hütchen hat?

Kolumne im Tagblatt der Stadt Zürich vom 30. Oktober 2013

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