Drei Nüsse für Pippi

Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte man gefühlte sechzig Mal die Gelegenheit, «Drei Nüsse für Aschenbrödel» zu schauen. Ich war als Teenie ja so verliebt in die kleine Popelka. Auch «Winnetou» kam zurück in einer brandneuen Verfilmung, gedreht wie der Klassiker in der kroatischen Prärie. Der neue Apachen-Häuptling-Darsteller heisst Nik Xhelilaj. Sein Blutsbruder wird gespielt von Tatort-Kommissar Wotan Wilke Möhring. Wenn man die beiden Namen so nebeneinander sieht: Richard Wagner trifft die Schweizer Fussball-Nati. Die Neuverfilmung des Wildwest-Märchens habe ich mir übrigens nicht angetan. Schon vor ein paar Jahren habe ich den Fehler gemacht, den Klassiker mit Pierre Brice und Lex Barker nochmals zu schauen: Die Story ist schmalzig-naiv erzählt, die Darsteller sind hölzern und die Stunts haben Abenteuerspielplatz-Niveau. Ich hätte ihn besser in verklärter Erinnerung behalten, als Monument und unantastbar. Stattdessen habe ich denselben Fehler gemacht wie bei Pippi Langstrumpf. Haben sie den wieder mal angeschaut? Tun Sie es nicht! Das tut im Herzen weh. Abgesehen davon, dass Pippi heutzutage wegen Dyskalkulie und ADHS medikamentös ruhig gestellt würde, ihr Piratenvater wegen Gefährdung des Kindswohls im Knast sässe, wäre sie selber niemals die Heldin von Tommy und Annika geworden, weil sie nie in der Villa Kunterbunt eingezogen wäre, sondern wegen ihrer Lebenssituation durch die KESB fremdplatziert worden wäre. Und das sind nur die Schwächen des Drehbuchs. Die Filmtricks sind grottenschlecht. Die Synchrontexte sind laienhaft aufgesagt. Es hat mir das Herz gebrochen. Nicht alle Filme altern gleich gut.

(erschienen am 4. Januar im Tagblatt der Stadt Zürich)

2 Kommentare zu „Drei Nüsse für Pippi

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