Apfänt, Apfääänt …

Ich bin nicht religiös, aber ich bin ein totaler Fan von Jesus’ Geburtstagsparty. Die Original-Fete war ja in Bethlehem, einem Vorort von Bern in einem Stall mit Nutztieren und landwirtschaftlich Beschäftigten, dazu kamen noch einige wohlhabende Expats mit Geschenken. Das hat schon was Inklusives, so eine rustikale Stehparty in der Agglo mit Vertretern verschiedener Gesellschafts- und Einkommensklassen.

Weihnachtsfeier in der Firma – Gesprächsstoff fürs ganze Jahr.
© Dreamworks 2016 / Constantin Film

Früher, so als Kind, bin ich ja innerlich gestorben, wenn ich ein Päckli mit meinem Namen unter dem Baum gefunden habe und der Inhalt fühlte sich stoffig-flauschig-weich an. Wozu hatte ich den halben Franz Carl Weber Katalog angekreuzt? Das war ein hartes Stück Arbeit!! Für ein Calida-Pischi??!? Trotzdem danke. Das hat sich übrigens mit zunehmendem Alter geändert: Mitte 20 habe ich mal ein Game geschenkt bekommen, dabei brauchte ich dringend Socken und Unterwäsche. Aber hey, der gute Wille zählt.

Die Adventszeit ist nur schon ein Riesenspass, weil je näher das Jahresende rückt, desto ungehemmter wird in Büros Alkohol konsumiert. All die Flaschen, die sich im Laufe eines Jahres als Kundengeschenke oder überzählige Apéro-Einkäufe angesammelt haben, müssen ja mal ihrer Bestimmung zugeführt werden. Die Adventszeit ist dazu perfekt. Nachmittägliche Trunkenheit gehört da schon fast zum guten Ton. Das Beste ist, man kann bei all diesen Apéros Mitarbeitende oder Verwandte dermassen abfüllen, bis die eine Affäre zu- oder andere Peinlichkeiten von sich geben. A propos: Wenn Sie noch nicht so ganz mit der jungen Tradition der hässlichen Weihnachtspullis vertraut sind, stellen Sie sicher, dass die andere Person wirklich einen solchen trägt, bevor sie ein Kompliment für besondere Hässlichkeit aussprechen.

Jetzt, wo wieder Mariah Carey und George Michael ohne Pause im Dudelfunk gespielt werden, die Weihnachtsdeko seit Mitte Oktober in den Läden und seit einigen Tagen sogar in den Strassen strahlt, kann ich Sie versichern, dass es auch in der heutigen Zeit der neuen Sprach-Empfindlichkeit nicht rassistisch ist, wenn sie sich weisse Weihnachten wünschen.

Tagblatt der Stadt Zürich, 4. Dezember 2024

Fitte Festtage

Ich hab’s geschafft! Ich habe mein Vorweihnachtsgewicht gehalten. Irgendwie bin ich allen Völlereien und Guezlis aus dem Weg gegangen und habe höchstens eine supertiefe zweistellige Zahl Weihnachtsgebäck gemampft. Das Ziel war zwar Null, aber bei Zimtsternen bin ich affektlabil und die Anderen habe ich aus Höflichkeit gegessen. Ehrlich! Hey, wenn da auf so einem Guezli Dein Name steht und die charmante Bäckerin Deine Tochter ist, die Dir platzend vor Stolz das selbstgemachte Gebäck noch warm auf einer Serviette reicht, musst Du schon ein ziemlicher Kloakenwurm sein, um Nein zu sagen.

«Raus kommt es immer; die Öffnung ist entscheidend.» © Abigail Miller / Unsplash

Auch die grossen Fressorgien blieben aus. Wenn ich zurückdenke, was meine Oma damals veranstaltet hat. Das waren Kalorien- und Cholesterinbomben noch und nöcher. Meine Oma hat so gekocht, dass man meinen könnte, sie wollte, dass wir beide gleichzeitig sterben. Sie kannte keine Pronomen, aber sie war ein kreatives Kochgenie. Oh Mann! Damals hielten wir George Michael noch für hetero, die Swissair war kerngesund und neben dem Tisch sass Boris, unser Neufundländer-Labrador-Mischling, der sabberte während wir assen. Boris musste ich wie so einem Blackjack-Croupier im Casino meine leeren Hände zeigen, wenn ich fertig gegessen habe. Das ist lange her. Boris, George Michael und meine Grosseltern haben alle schon ein kleines Gärtlein auf dem Bauch.

Anstelle eines weiteren Festessens haben wir in Baden die neue Therme besucht, wo man zu sphärischer Musik von Boris Blank in eine Salzlösung steigen kann, die einen trägt wie das Wasser im Toten Meer. Das sieht so aus wie im Science-Fiction-Film der Raum, in dem Aliens Menschen in einem Substrat schwimmend züchten. Creepy. Der Nachmittag hat mit Familie und einem Happen Essen etwa den Gegenwert von zwei Kilo Rindsfilet gekostet. Das behalte ich mir als Option für nächstes Jahr. Jetzt kommt die Zeit der Partys. Hier ein Pro-Tipp: Wenn Du weisst, dass Du am Abend viel trinken musst, dann iss vorher eine Banane, eine Orange, und hundert Gramm Himbeeren. Das hilft zwar nicht, sieht aber hübscher aus, wenn es wieder rauskommt!

(Tagblatt der Stadt Zürich, 04.01.2023)