Que Sera, Serafe

Ich habe nur schon deshalb an der Abstimmung teilgenommen, weil so viele Gspänli von mir eine SRG-Lohntüte erhalten. Ich sage bewusst «erhalten», weil ob sie sie verdienen, weiss ich nicht. Ich weiss aber, dass allen, die dort arbeiten, der Hintern vergoldet wird. Im Schnitt bekommen SRG-Angestellte 500 Franken mehr im Monat als Privat-Medienschaffende und fast 1400 Franken mehr als der Durchschnitts-Lohnempfänger in der Schweiz. 27 Ferientage bekommen alle, ab 50 sind es 32 und ab 55 Jahren pralle 37 Ferientage. Da bekommt man schon eine Sonnenbräune, wenn man den Vertrag unterschreibt. Die Pensionskasse gilt als eine der grosszügigsten überhaupt und die Nebenleistungen sind fürstlich. Kann man sich auch leisten, wenn man anderthalb Milliarden Budget hat, um das am wenigsten schlechte Fernsehen der Schweiz zu produzieren.

Ich habe den Stimmzettel trotzdem mit einem Krampf in der Hand ausgefüllt. Von dem, was ich da konserviere, habe ich null und nichts. Ich habe nie in meinem Leben einen Fernseher gehabt und Radio höre ich lieber Private. Schlauberger sagen jetzt: Ha! Die Privaten bekommen auch SRG-Gelder. Right! Das ist so, wie wenn die SRG ein Bier einschenkt und die Schaumkrone etwas zu hoch gerät: Der Tropfen, der dann aussen am Glas runterläuft ist das Bier, das der Privatsender bekommt. Prost! Trink nicht alles aufs Mal!

Mein NEIN galt vor allem der Erhaltung von über 7000 geilen Arbeitsplätzen.

SRG Social Media Werbung

Als Nicht-SRG-Konsument entgehen mir solche Perlen wie «SRF-Studio 404: Die grösste Dickpic-Sammlung der Schweiz».

Noch vor ein paar Monaten hätte ich gedacht, mir faulen die Lippen ab, wenn ich sage: «Ich verstehe die Forderung der SVP», aber wenn man sich bei den Nachbarn umschaut, denen genügen im Schnitt 190 Franken für staatliche Medien und die sind nicht schlechter. Mal ehrlich: Brauche ich 7 Fernsehprogramme, 17 Radio-Stationen, dutzende von Websites, über 200 Podcasts und zig Apps? Nö, ich nicht. Aber für die geistige Landesverteidigung und damit Oma «Happy Day» schauen kann, lege ich gerne die 300 Franken auf den Tisch. Ausserdem wissen wir, wohin private Mediendominanz führt: Krieg, Pädophile und Masern. Die Fussball-WM schaue ich dann trotzdem bei Freunden, die einen Sender wählen, bei dem der Sport nicht «Füessball» genannt wird.

(Tagblatt der Stadt Zürich, 11.03.2026)